Auf dem diesjaehrigen Camp wird es unter anderem folgende Veranstaltungen geben. Die genauen Titel und Ankuendigungstexte findet ihr an dieser Stelle, genau wie ausfuehrliche Informationen zum Rahmen- und Kulturprogramm.
- Einfuehrung in die Kapitalimuskritik
"Er ist vernuenftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht." schrieb
Bertolt Brecht im "Lob des Kommunismus" ueber eben diesen. An dem 'vernuenftig'
besteht sicherlich kein Zweifel, mit dem 'leicht' ist es aber oft so eine
Sache. Der Vortrag soll hier Abhilfe schaffen. Grundlegend und
verstaendlich wird ein Ueberblick ueber die Marxsche Kritik der
politischen Oekonomie gegeben und unter anderem aufgezeigt, was es denn
mit dem Kapital- und Warenfetisch auf sich hat und wie der Mehrwert in das
G-W-G' kommt.
- Deutsche Vergangenheitsbewaeltigung
Weitere Informationen folgen.
- Nation & Nationalismus
antifaschistische union dortmund
Ohne Deutschland geht es nicht. Die periodischen Ausbrueche des
Nationalismus im Kontext der groszen Sportveranstaltungen sind nur der
sichtbarste Ausdruck davon, dass der Bezug auf das nationale Kollektiv
populaer bleibt und gerade unter Jugendlichen in wachsendem Masze ein "normaler" Bestandteil ihres (Er)lebens ist. Nicht erst der Umstand,
dass die vermeintlich friedlichen und weltoffenen Deutschen (und nicht
nur sie) nicht einmal im Falle des Sieges darauf verzichten koennen,
den Kampf "ihrer" Mannschaft handfest auf der Strasze fortzusetzen,
zeigt: Die Auseinandersetzung mit Nation und Nationalismus ist und
bleibt eines der zentralen Themen fuer die radikale Linke.
Entsprechend kommt kaum ein Demonstrations-Aufruf ohne Kritik an
Nation und Nationalismus aus. Auf Transparenten und in Parolen soll
der Nationalismus bekaempft, sollen Volk/Nation abgeschafft oder auf
die eine oder andere Weise martialisch aus dem Weg geraeumt werden. Ein
grober Konsens besteht innerhalb antifaschistischer Gruppen in
mehreren Punkten: Die Nation ist keine "natuerliche" Konstante, sondern
das Produkt menschlicher Konstruktionsleistungen. Der Nationalismus
hat was mit Kapitalismus zu tun und scheint in ihm eine zentrale
gesellschaftliche Funktion zu erfuellen. Zwischen Nationalismus,
Rassismus und Antisemitismus besteht ein Zusammenhang. Und: Der
deutsche Nationalismus ist eine besonders unangenehme Erscheinung.
Ziel dieser Veranstaltung ist es, das Wissen um diese keineswegs
falschen Essentials antifaschistischer Kritik zu fundieren. Zentrale
Begriffe und Theorieansaetze zum Nationalismus sollen ebenso skizziert
werden wie seine historischen Hintergruende und seine gesellschaftliche
Bedeutung.
- Religionskritik. Eine
Hinfuehrung
Jan Eufinger
1844 schrieb Marx "Fuer Deutschland ist die Kritik der Religion im
wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung
aller Kritik". Unabhaengig von der Frage, ob sie wirklich beendet ist,
laesst sich, angesichts einer Rueckkehr des Religioesen, nicht nur in
Form
von christlichem Fundamentalismus, in den USA und eben auch in
Deutschland einerseits und des globalen Islamismus andererseits,
festhalten, dass sie nichts von ihrer Aktualitaet verloren hat.
Der Vortrag wird nicht einzelne Ausformungen der Religion kritisieren,
sondern versuchen einen ersten Einblick in eine kritische Analyse ihres
Wesens zu liefern. Dabei wird natuerlich auch versucht die Beschraenktheit
buergerlicher Religionskritik aufzuzeigen und darzulegen, warum "der
religioese Widerschein der wirklichen Welt ueberhaupt nur verschwinden
[kann], sobald die Verhaeltnisse des praktischen Werkeltagslebens den
Menschen tagtaeglich durchsichtig vernuenftige Beziehungen zueinander
und
zur Natur darstellen." (Marx)
Jan Eufinger studiert Philosophie und Religionswissenschaft in Bochum.
Er ist Referent fuer Kritische Wissenschaft des AStA der Ruhr-Uni und
Mitglied im Arbeitskreis Rote Ruhr Uni und dem Institut fuer
Sozialtheorie Bochum.
- Geschichte der Antifa
[ELA]
Im Vortrag zur Geschichte der Antifa soll es einerseits um die
historische Antifaschistische Aktion aus den 1920/30er Jahren gehen,
dass Hauptthema wird aber die Entstehung der Autonomen Antifa sein.
Dabei sollen Entwicklungen aufgezeigt werden und Diskussionsprozesse in
der Antifa Bewegung nachgezeichnet werden. Besonders vertieft werden der
Organisierungsprozess in den 1990er Jahren am Beispiel der AA/BO und an
deren Beispiel eine Kritik am Konzept des "revolutionaeren
Antifaschismus". Auch soll es um die Veraenderungen gehen, die sich
innerhalb der Antifa spaetestens seit dem 11.September 2001 beobachten
lassen und die Diskussionen der letzten Jahre entscheidend praegten.
- Kritik des Islamismus
Weitere Informationen folgen.
- Der Iran und
die Atombombe
Informationsveranstaltung mit Simone Dinah Hartmann
Die Mischung aus apokalyptischem Wahn, eliminatorischem Antisemitismus und
nuklearen Ambitionen, die das Regime in Teheran ausmacht, welches seit
dreiszig Jahren die iranische Bevoelkerung terrorisiert - diese Mischung
traegt ein Drohpotential in sich, das heute einzigartig ist und nicht nur
Aehnlichkeiten mit dem Nationalsozialismus aufweist, sondern auch
tatsaechlich in der Lage sein koennte, dessen Werk zu vollenden. Diesen
Bestrebungen wird gerade in den postnazistischen Gesellschaften mit einer
Politik begegnet, die von Appeasement bis zur offenen Kollaboration mit
den Mullahs reicht, wie sie sich etwa in dem geplanten
22-Milliarden-Euro-Deal der Oesterreichischen Mineraloelverwaltung (OMV)
mit dem iranischen Regime manifestiert. Gegen diese Kollaboration hat sich
Ende letzten Jahres die Kampagne stopthebomb.net
gegruendet, die u. a. mit einer internationalen Unterschriftenaktion gegen
Geschaefte mit dem iranischen Regime mobil macht.
- Computersicherheit, PGP & Rechtshilfe
Weitere Informationen folgen.
- Workshop zur
Pressearbeit
(Die Referentin ist in der Kommunistischen Gruppe Bochum aktiv,
vertritt im Vortrag aber keine Gruppenposition.)
Das Problem ist bekannt: Ihr plant eine interessante Veranstaltung,
aber niemand kommt. Die letzte Demo oder Aktion war gut besucht und
erfolgreich, aber in den Medien wird nicht berichtet. Oder auch: Da
ohnehin alle davon ausgehen, dass die Mainstream-Medien nicht berichten
werden, schreibt von vorneherein niemand eine Presseerklaerung. Einerseits
mag Skepsis gegenueber der "buergerlichen Presse" haeufig gerechtfertigt
sein. Andererseits liegt das Problem der fehlenden Berichterstattung
oftmals nicht im grundsaetzlichen Desinteresse der Medienleute gegenueber
linken Themen, sondern in der Unkenntnis linker Gruppen darueber, was fuer
die Medien berichtenswert ist, und worauf beim Schreiben von
Presseerklaerungen geachtet werden sollte. Haeufig waere es - gerade in
kleineren Staedten, in denen sonst nicht so viel passiert - sehr leicht
moeglich, linke Inhalte in die Mainstream-Medien zu tragen und auf diesem
Weg Leute zu erreichen, wenn die Oeffentlichkeitsarbeit linker Gruppen
professioneller waere.
Hier soll der Workshop Abhilfe schaffen: Nach einem Input-Referat zu
Fragen wie "Was sollte in einer Presseerklaerung drinstehen?", "Wie
organisiere ich eigentlich eine Pressekonferenz?" und "Wie mache ich
Pressearbeit ohne die eigenen Strukturen zu gefaehrden?", soll im Workshop
das Schreiben von Presseerklaerungen zu verschiedenen Themen und Anlaessen
praktisch ausprobiert und die Ergebnisse zusammen diskutiert werden. Am
Ende des Workshops soll gemeinsam eine Checkliste fuer erfolgreiche
Pressearbeit erstellt werden.
- Praktische Tipps
antifa[AK]moers
Weitere Informationen folgen.
- Nazistrukturen in NRW
Weitere Informationen folgen.
-
"Fuer die Freiheit, fuer das Leben, muss
es US-Panzer geben"?!
-
Zur Kritik vulgaerantideutscher Positionen
(Die ReferentInnen sind in der Kommunistischen Gruppe Bochum aktiv,
vertreten in dem Vortrag aber keine Gruppenposition.)
Wer hat so etwas nicht schon gehoert:
"Die israelische Armee lebt den Kommunismus!"
"Koksen, Kotzen, Kommunismus!"
"Fleisch essen ist Naturbeherrschung und deshalb fast schon Kommunismus!"
"Palaestina, knie nieder, die Siedler kommen wieder!"
"Alles Antisemiten auszer Mutti!"
Fuer solche und aehnliche Aussagen scheinen Antideutsche weithin bekannt
zu sein. Warum solche vulgaerantideutschen Phrasen wenig mit
tatsaechlicher antideutscher Kritik zu tun haben, ist Thema des Vortrags.
Wir freuen uns auf die anschlieszende Diskussion!
- Einfuehrung in Feministische Theorie und Neue
Frauenbewegung
Die Geschichte der neuen Frauenbewegung ist gekennzeichnet durch die
starke Heterogenitaet ihrer AkteurInnen. Binnendifferenzen zwischen
Frauen fuehrten immer wieder zur theoretischen wie praktischen
Auseinandersetzung mit den Modellen und Vorstellungen kollektiver
Identitaet, die den Implikationen feministischer Politik zu Grunde lagen
(und liegen). Im Anschluss an eine kurze Geschichte der Neuen
Frauenbewegung sollen mit 'Queer Theory' und dem Ansatz der
Intersektionalitaet (also der Analyse sozialer Ungleichheit unter
Beruecksichtigung unterschiedlicher Dimensionen von Vergesellschaftung,
z.B. Klasse, Ethnizitaet und Geschlecht) zwei Formen der theoretischen
Auseinandersetzung vorgestellt werden, die sich diesen Problemen auf
unterschiedliche Weise widmen.
Fuer Leute, die vorbereitet erscheinen wollen, empfehlen sich folgende
Texte:
- Paula-Irene Villa: Judith Butler - Eine Einfuehrung. Frankfurt / New York
2006
- Lesley McCall: Managing the complexity of Intersectionality. [hier
zu finden]
- Gisela Notz: Warum flog die Tomate? Die autonomen Frauenbewegungen der
Siebzigerjahre. Neu-Ulm 2006
- Deutsche
Migrationspolitik und "Festung Europa"
(Die Referentin ist in der Kommunistischen Gruppe Bochum aktiv,
vertritt im Vortrag aber keine Gruppenposition.)
Nachdem Deutschland sich jahrzehntelang nicht als Einwanderungsland
verstand und davon ausging, dass die in den 1950er und 1960er Jahren
angeworbenen sogenannten "Gastarbeiter" schlieszlich in ihre "Heimat"
zurueckkehren wuerden, kam es mit der Machtuebernahme der rot-gruenen
Bundesregierung 1998 zu einer Wende in der deutschen Migrationspolitik:
Erstmals wurde die Tatsache, dasz Deutschland faktisch ein
Einwanderungsland ist, auch von der offiziellen Politik anerkannt. Mit dem
neuen Staatsangehoerigkeitsrecht, das eine zumindest teilweise Abkehr vom
ius sanguinis (Abstammungsrecht) in der Migrationspolitik beinhaltet, und
dem neuen Zuwanderungsgesetz, das erstmals den Anspruch erhob, die
Zuwanderung nach Deutschland umfassend zu regeln, schlug sich diese neue
Perspektive auf Migration auch auf der Ebene konkreter Masznahmen nieder.
Auch unter der groszen Koalition wurden entsprechende Neuregelungen nicht
etwa zurueckgezogen - ganz im Gegenteil ist man sich ueber Parteigrenzen
hinweg einig, dass Deutschland aus demographischen Gruenden und wegen des
befuerchteten Fachkraeftemangels in der deutschen Wirtschaft dringend auf
Zuwanderung angewiesen ist. In diesem Kontext wird vermehrt ueber die
sogenannte "Integration" von MigrantInnen diskutiert. Aber sogar die CDU
ist inzwischen in der Lage, zwischen "kriminellen auslaendischen
Jugendlichen" (die allenfalls fuer Wahlkampfkampagnen taugen) und
potentiellen konservativ gesinnten Neumitgliedern mit
Migrationshintergrund (die auf der CDU-Homepage in tuerkischer Sprache
umworben werden) zu differenzieren. Die pauschale Ablehnung aller
MigrantInnen, die in frueheren Jahren vorherrschte, ist durch die Devise "Mehr
Einwanderer, die uns nuetzen, und weniger, die uns ausnuetzen" (so
formuliert von Guenther Beckstein, CSU) ersetzt worden. Im Klartext heiszt
dies, dass hochqualifizierte MigrantInnen willkommen sind, waehrend
Fluechtlinge und "illegale" ArbeitsmigrantInnen von Ausgrenzung, Armut und
Abschiebung bedroht sind, und tausende an den Grenzen der "Festung Europa"
beim Versuch des "illegalen Grenzuebertritts" umkommen.
Aus linker Perspektive kann es nur darum gehen, Staat, Nation und
kapitalistischen Nuetzlichkeitserwaegungen eine Absage zu erteilen und
allen Menschen gleich welcher Herkunft zu ermoeglichen, da zu leben, wo
sie wollen.
Der Vortrag moechte einen Ueberblick ueber die Migrationspolitik in
Deutschland in Geschichte und Gegenwart, sowie ueber Migrationspolitik auf
europaeischer Ebene geben. In der anschlieszenden Diskussion besteht die
Moeglichkeit, gemeinsam zu schauen, wie eine emanzipatorische Kritik an
und Praxis gegen die "Festung Europa" aussehen koennte.
- Auf, auf zum Kampf! Arbeiterlieder und
kommunistische Weltbewegung
Damals, als es die Arbeiterbewegung noch gab, drueckte sie ihre
Positionen nicht nur in Buechern, Flugschriften, Resolutionen, Plakaten
usw. aus, sondern auch in Liedern. Diese Lieder, mit ihren Hoehen und
Tiefen, sind das Thema des Vortrags. Anhand diverser Tonbeispiele werden
die Genossen Referentinnen an einige Momente und Wendepunkte der
Arbeiterbewegung erinnern: von der Unzufriedenheit, die sich zu Tisch
setzt und den Worten, die Armeen wurden gegen die Hungersnot, von den
Barrikaden zu Paris und dem Sturm auf's Winter-Palais, vom roten Madrid
und der Schlacht am Jarama, vom kleinen Trompeter und denen, die an die
Wand gestellt wurden.
Abschlieszend wird die Internationale gesungen. Rot Front!
- Der Grosze Satan - Zur Kritik des
Antiamerikanismus
Paul Mentz, AK Rote Ruhr Uni
"Er ist Ausdruck nicht einer durchdachten, kontinuierlichen
politischen Gegnerschaft, sondern der Anti-Amerikanismus ist die eine
Seite einer Haszliebe und darin dem Anti-Semitismus verwandt, der den
Juden in wechselnder Folge alles Gute und alles Schlechte nachsagt, und
sie, dabei nur den eigenen trieboekonomischen Beduerfnissen gehorchend,
je nach Bedarf mystifiziert oder daemonisiert." (Wolfgang Pohrt)
Der Antiamerikanismus ist eine Ideologie, welche sich global und in
allen gesellschaftlichen Schichten finden laeszt und er ist in der Lage,
linke Antiimperialisten mit Neonazis und islamischen Klerikalfaschisten
zu einen. Als Ressentiment weisz der Antiamerikanismus seine
Weltanschauung bestaendig mit vermeintlichen Fakten ueber die USA zu unterfuettern, er haelt es aber fast nie fuer notwendig, diese zu
belegen. Gerade weil der Hass auf Amerika auf einer irrationalen
Projektion beruht, ist er zu keiner Kritik der realen Verhaeltnisse
faehig. Der moerderische Gehalt dieser Ideologie tritt einem bei Anschlaegen wie jenem auf das World Trade Center und jenen im Irak bestaendig konkret vor Augen.
Der Vortrag soll versuchen, einen Einblick in die historischen Wurzeln
und die Funktionsweise des Antiamerikanismus zu bieten.
- Die Schicksalsfrage der Menschheit - Zur
Kritischen Theorie des Antisemitismus und ihrer Aktualitaet
Paul Mentz, AK Rote Ruhr Uni
Die Kritische Theorie des Antisemitismus vermag ebenso wenig wie der Benjaminsche Engel der Geschichte die Toten zu "wecken und das
Zerschlagene zusammenfuegen", doch sie zieht aus der Erfahrung des
Nationalsozialismus die Konsequenz, dasz an der Idee eines notwendigen
Fortschritts in der Geschichte nach dem Zivilisationsbruch, den
Auschwitz darstellt, nicht mehr festzuhalten ist. Der sogenannte neue
Antisemitismus ist nichts anderes als der alte Antisemitismus,
allerdings unter den veraenderten historischen und gesellschaftlichen
Bedingungen nach Auschwitz. Auch eine Kritische Theorie des
Antisemitismus nach Auschwitz ist diesen veraenderten Bedingungen
verpflichtet, in dem Sinne, dasz sie nur ein Ziel kennt, naemlich, "dasz
Auschwitz nicht sich wiederhole."
Der Vortrag soll sowohl die Kritische Theorie des Antisemitismus
darstellen, als auch die Frage nach deren Aktualitaet stellen.
-
"Wir haben einem Loewen beigebracht Tofu zu essen!"*
Eine kritische Einfuehrung in die Tierrechtsbewegung
Thorsten Fuhrkamp
Ausgehend von einer Kritik des Mensch-Tier-Verhaeltnisses, in welchem
ein Ausgrenzungs- und Unterdrueckungsmechanismus, analog zu Rassismus
oder Sexismus - der Speziesismus - gefunden wird, versucht die
Tierrechtsbewegung die Ausbeutung der Tiere durch den Menschen
abzuschaffen.
Waehrend diese Bewegung sich als Bestandteil oder gar Fortsetzung der
radikalen Linken sieht, will eben diese meist nicht viel von ihr wissen.
Oftmals auch aus gutem Grund, wenn wir uns ansehen wer sich alles "Tierrechtsbewegung"
nennt. Das Spektrum reicht mittlerweile von den altbekannten
HolocaustrelativiererInnen, ueber "angeblich antisemitische" Sekten, bis
zu Nazis die ihren Staatsveganismus fordern.
Die gegen diese diffuse Tierrechtsbewegung vorgebrachten Argumente sind
zwar in der Kritik der einzelnen Aspekte oft sehr richtig, gruenden
jedoch selbst fast immer auf einen krampfhaften Speziesismus, der gar
nicht erst nach den Motivationen der Tierrechtsbewegung fragt und so
bisher beinah ausnahmlos in bestenfalls plumpen Polemiken versandete,
statt zu versuchen das emanzipatorische Potential in der Kritik der
reaktionaeren Phaenomene herauszuarbeiten und gegebenenfalls zu
integrieren.
Die Ursache hierfuer ist jedoch wohl eher in der Praxis der
Tierrechtsbewegung selber, als in der Halsstarrigkeit linksradikaler
TexteschreiberInnen zu suchen. Hat sie es doch bisher nicht geschafft
ihr Profil als radikale, emanzipatorische Bewegung zu schaerfen und sich
so fuer all jene reaktionaere Anhaengsel unmoeglich zu machen. Statt
dessen wird und wurde auf breite Buendnispolitik gesetzt, die sich an
realpolitischen Kampagnen abarbeitet und so zum Tierschutz verkuemmert.
Jeder Nazi kann erwiesenermaszen Mitleid mit dem armen, suessen,
gequaelten Affenbaby haben. Doch dieses Mitleid ist bis auf das
Vorhandensein irgendeiner Empathie noch lange kein Schritt in eine
richtige Richtung.
Im Gegenteil. Der Weg vom Mitleid zur bestenfalls Aufrechterhaltung des
Ausbeutungsverhaeltnisses, schlimmstenfalls menschenfeindlichen Reaktion,
liegt naeher, als der zu einer Anerkennung von Tieren als Individuen mit
individuellen Beduerfnissen.
Der fortschrittliche Teil dieser Bewegung - naemlich jener, der sich
selber schon gar nicht mehr "Tierrechtesbewegung" nennt, da er kein wie
auch immer geartetes Recht einfordern, sondern eine Befreiung erreichen
will - hat mit einem autoritaer durchgesetzem Veganismus,
relativierenden NS-Vergleichen oder naiver Tierliebe nichts zu tun.
Kritisiert er doch sogar "Tierliebe", Tierschutz oder aehnliche
Romantisierungen und Verklaerungen notwendigerweise als Teil des
Problems.
Worum es gehen soll, ist also einerseits eine Einfuehrung in die
Grundbegriffe einer ernstzunehmenden antispeziesistischen Bewegung zu
geben, auf welche eine progressive Kritik, welche unreflektierte Lust-
und Fortschrittsfeindlichkeitsvorwuerfe hinter sich lassen kann, und
sich fragt, warum nur Menschen ein Interesse an der Ueberwindung ihrer
Ausbeutung haben sollten, aufbauen kann, um auszuloten welche
Schnittmengen es zwischen kommunistischer Kritik und
antispeziesistischer Bewegung gibt und diese bestenfalls in einer
Erweiterung der zu befreienden Subjekte muenden laesst.
*Futurama, s2e15
- Einfuehrung in die Staatskritik
Ingo Elbe, AK Rote Ruhr Uni
"Der politische Verstand ist eben politischer Verstand, weil er innerhalb der Schranken der Politik denkt. Je geschaerfter, je lebendiger, desto unfaehiger ist er zur Auffassung sozialer Gebrechen." (Karl Marx)
Appelle an den 'Vater Staat", die Wirtschaft doch an die Kandare zu nehmen und damit 'soziale Gerechtigkeit' walten zu lassen, erfreuen sich gerade in der Linken nicht erst in neoliberalen Zeiten grosser Beliebtheit. Die unbedingte Loyalitaet, die noch die Aufgeklaertesten den Formen Staat und Recht entgegenbringen, verbluefft dabei stets aufs neue. Hier bekommt radikale Staatskritik den Zorn des gesunden politischen Menschenverstands zu spueren: wo Menschen zusammenleben, da muss die Zwangsgewalt von Staaten herrschen, wer Gegenteiliges behauptet, gilt als unzurechnungsfaehig.
Die Form Staat, in deren Apologie sich Nazis und SozialdemokratInnen, evangelische GlobalisierungsgegnerInnen und Altstalinisten einig sind, darf allerdings ebenso wenig in bloss moralischer Manier als Exponent des 'Schweinesystems' abqualifiziert werden. Entgegen einer solchen "Kritik, welche die Gegenwart zu be- und verurteilen, aber nicht zu begreifen weisz" (Marx) und wie sie noch das ebenso sympathische wie hilflose Grundrepertoire jeder AnarchistIn ausmacht, sollte es zuerst darauf ankommen, zu erklaeren, was der (buergerliche) Staat ueberhaupt ist, warum kapitalistische Vergesellschaftung, die in der Regel nicht mehr durch direkt gewaltvermittelte, sondern wesentlich sachlich-tauschvermittelte Aneignungsprozesse gekennzeichnet ist, ein solches nunmehr als 'politische Sphaere' ausdifferenziertes Zwangsverhaeltnis noch benoetigt, bzw. es permanent reproduziert, wo die Grenzen staatlicher Eingriffskompetenzen in die Oekonomie liegen, warum das Gewaltmonopol den BuergerInnen stets noch als legitimes erscheint usw. Praktische Relevanz erlangt die Eroerterung solch 'abstrakter Fragen' u.a. durch die daraus folgende Kritik der Auffassungen, gesellschaftliche Emanzipation sei von einem 'Politikwechsel' zu erwarten, der Staat sei im Grunde neutrales Instrument sozialer Gruppen oder koenne gar beliebig die Oekonomie gestalten - es sei also alles eine Frage des 'politischen Willens'.
Der Vortrag soll zentrale Positionen und konkurrierende Paradigmen marxistischer Staatskritik - von Lenin ueber die sog. Staatsableitungsdebatte bis hin zu den Ansaetzen von Gramsci und Poulantzas - behandeln.
- Linksradikalismus in Deutschland 1918-23
"Der [erste] Weltkrieg mit seinen nationalen und internationalen
Auswirkungen auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet hat
in beschleunigten Tempo das Zeitalter der Revolution gebracht."
Otto Ruehle ("Von der buergerlichen zur proletarischen Revolution", 1924)
Zuerst soll der Vortrag die revolutionaere Bewegung 1918-1923 im Groben nachzeichnen: Die Meuterei der Matrosen in Kiel, die Ausbreitung der November-Revolution in ganz Deutschland, den "Spartacus-Aufstand" im Januar 1919 in Berlin, die Muenchener Raete-Republik, die Rote-Ruhr-Armee 1920, Aufstaende in Thueringen und Sachsen, . . . Sie alle einte die Parole: "Alle Macht den Raeten!" Sie wollten die deutsche Raeterepublik, die aufgehen sollte in der Weltraeterepublik. - Dieser Bewegung stand eine geschlossene Front der Reaktion gegenueber: Bourgeoisie, Militaers, SPD. Sie hassten die Revolution bis aufs Blut und waren bereit auch tausende Tote in Kauf zu nehmen, wenn sie damit nur die buergerlichen Eigentumsverhaeltnisse, das Vaterland, "Ruhe und Ordnung" retten konnten. So kam es bekanntlich: revolutionaere Arbeiter wurden massenweise abgeschlachtet, eingekerkert, ins Exil vertrieben; 1923 war der Kapitalismus wieder weitgehend stabilisiert und die Linksextremisten unter den Arbeitern isoliert.
Dabei soll auch die Geschichte der revolutionaeren Organisationen, die damals nicht wie heute nach wenigen, sondern nach tausenden zaehlten, erwaehnt werden: Die Gruendung der Kommunistischen Partei Deutschlands (Spartakusbund) Sylvester 1918/1919, die Spaltung der KPD im Oktober 1919, die Gruendung der Kommunistischen-Arbeiter Partei (KAPD) und der Allgemeinen Arbeiter Union 1920
Ein zweiter Schritt wird die damalige Theorie des Linkskommunismus rekapitulieren. Diese zeichnete sich aus durch: die Ablehnung jeglichen Fuehrertums und daraus folgenden Verneinung der (alten) Form der Partei und des Parlamentarismus; die Kritik der Gewerkschaften als kapitalloyale und staatstragende Organisationen; die Gegnerschaft zu jeder Reform des Kapitalismus als Verschleierung der Notwendig von dessen UEberwindung; konsequenten Internationalismus der auf die soziale Revolution global verlangte; die Forderung, dasz keine Diktatur der Partei zu errichten sei (wie sie die Bolschewiki wollten), sondern die der Klasse, d.h. die bewaffneten, in Raeten organisierten Arbeiter alle Belange der neuen Weltgesellschaft selber bestimmen sollten.
- Ihr seid alt, wir sind jung - MAO TSE-TUNG!
Eine Reise durch die wundersame Welt der K-Gruppen
Autonome Antifa Siegen / Antifa L106
Michael Steffen, der mit seinen "Geschichten vom Trueffelschwein",
seiner veroeffentlichen Dissertation ueber den KB, den Kommunistischen Bund,
ein Standardwerk ueber eine der bedeutendsten K-Gruppe vorlegte,
formulierte in einem Beitrag zu dem linken Plakatsammelband "vorwaerts bis
zum nieder mit!" die Frage nach den K-Gruppen und deren Relevanz ironisch
so, dass man bei Guenter Jauch's "Wer wird Millionaer?" sicherlich 250000
Euro gewinnen koenne, wenn man die Frage beantworten koenne, wofuer das K in
dem Begriff K-Gruppen stehe. Der Kandidat werde sicherlich kurz zwischen
"kirchliche" und "kulturelle" Gruppen schwanken und dann doch zum
Telefonjoker greifen? Wohl dem, der einen Verwandten hat, der sich noch an
die marxistisch-leninistische Bewegung der 1970er Jahre erinnern kann und
an ihre Protagonisten - die Kommunistischen Gruppen, kurz K-Gruppen.
Vielleicht gar aus eigener Erfahrung? Dies waere garnicht mal so
unwahrscheinlich, schlieszlich gelten die zahlreichen kommunistischen
Parteien, Gruppen, Zellen, Organisationen und Buende als die relevanteste
und wichtigste Stroemung der Linken in den 1970er Jahren. Man schaetzt
heute, dass zwischen 100.000-150.000 Menschen im Laufe eines knappen
Jahrzehnts in der ML-Bewegung aktiv waren sie so zur DER linken
Massenbewegung in der Folge der Studentenbewegung werden lieszen.
Demokratischer Zentralismus, strenge Parteidisziplin, obskurer "ML-Sprech", Proletkult, Mao- und Stalin-Kult, Betriebsarbeit und Agitation, Irrungen
und Wirrungen, Spaltungen und Vereinigungen - all dies sind Schlagwoerter,
welche die konkrete Politik von KPD(ML), KPD(AO), KB und KBW ein wenig
illustrieren. Wer wissen moechte, wie es zur "Proletarischen Wende" kam und
wie sich die antiautoritaere Studentenbewegung schlieszlich in
krass-autoritaeren Parteistrukturen und in den Fabriken wiederfand, der
findet im Laufe des (haeufig unfreiwillig recht amuesanten) Vortrags
einige Antworten.
- Der Gestus der Kritischen Theorie. Versuch einer Einfuehrung.
Fabian Kettner, AK Rote Ruhr Uni
Leo Loewenthal, ein Vertreter des Kreises, den man als "Kritische Theorie" bezeichnet, kam "es immer so komisch vor, wenn jemand sagt, wir sollten mal ein Seminar ueber kritische Theorie halten, ich weisz nie so recht, was ich darueber sagen soll." Denn, so Loewenthal weiter, das "Bewusstsein des Nichtmitmachens, des Verweigerns; die unerbittliche Analyse des Bestehenden, ... das ist eigentlich das Wesen der kritischen Theorie." Und wenn dem so ist, dann existiert Kritische Theorie nur im Vollzug des kritischen Gedankens an einem Gegenstand.
Man kann systematisch in die Kritische Theorie einfuehren, man kann eine Uebersicht ueber ihre Schriften, ihre Projekte, ihre Forschungen geben, man kann sie theoriegeschichtlich einordnen. Indem man dieses Corpus umstreift, kann man dabei auch etwas ueber sie lernen. Darum soll es hier nicht gehen. Nachgezeichnet werden soll der Notstand des Denkens, aus dem sie sich erhob und an einigen Beispielen illustriert werden, wie ihr Denkweg zu verlaufen hatte.
- Abschlieszende Podiumsdiskussion zu kommunistischer Kritik und Praxis, mit Redical [M], MAD Koeln, Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft, Fabian Kettner und weiteren; Einleitung und Moderation: Phase 2.
- Abend- und Rahmenprogramm:
Es
wird auch in diesem Jahr genug fuer die Kultur getan...
Donnerstag:
Filmabend (Persepolis, diverse Serien)
Kicker-Turnier
Freitag: Konzert
zOSH! (minimal Elektropunk Koeln/Pott)
The Lust For Life (80's HC/Wegberg)
Alarmstufe
Gerd (Thrash-/Hardcore/Pott)
Chuck
Damage (Hardcore/Muenster)
Aftershow Party (DJs)
(5 Euro fuer externe Besucher)
-> Flyer
Samstag: Party
Minimalgefluester
(Minimal Berlin)
fu (Electro Muehlheim)
preko (DnB/Krawall Moenchengladbach)
kraim (New Rave Duesseldorf)
Cocktailstand
(2,50 Euro fuer externe Besucher)
-> Flyer